Schriebs den 26 Nov. 76. Göttingen.
Lieber Liebster mein Einziger! ich hab hier Deinen 2ten Brief vor mir und Du sollst meine Antwort auf den ersten schon lang haben die ich durch Hr
Legations
Rath an Dich addreßirt habe. Hier unten Abschrifft davon. Mich drückt nichts als was Dich drückt und daß ich nicht helfen kann. Gott spreche Seegen über Dich! Der Instruktionen wegen will ich mit morgender Post nach Strasburg schreiben.
Ob ich Leßens Bekanntschaft gesucht habe? nicht gesucht und hab sie mehr als jede andre hier, ich suche hier keine kann aber durch Dr
Leß
und wann Du Dich näher erklärst durch seine Frau die meine Landsmännin ist viel erfahren, aber ich sage nur was Du fragst. Durch sie komm ich in die besten Gesellschaften.
Ich weiß Boje’s Addreße nicht, weiß ihm auch nichts weder von Dir noch mir zu schicken. Gieb mir nähere Nachricht ob ich Deinen lieben Bruder vielleicht hier sehn werde. Ein treflicher junger Mann Prof. Koppe der in Mitau stund und dort eine Landsmännin von Dir eine sehr liebenswürdige Person geheyrathet hat, liest hier über die Apostelgeschicht und Briefe. Er kennt Dich von Leipzig her da Du mit den Baronen warst, weis aber durch mich nichts weiter von Dir. soll ich ihn grüßen?
Bürgers Meisterübersetzung kenn ich aus dem Musäum und werde sie so bald sie zu haben ist kaufen, hier lab ich mich an der Odyße, und lebe in der Urkunde die ich mitnahm und hier erst recht lese
n
, hätten wir sie ganz vor
der Ausgabe der Meynungen gelesen! Mit Deiner Abendmahlschrift werd ich sobald möglich viel sagen das ich auf der Leber habe nur wünscht ich mir mehr Feuer, Activität, Energie,
.
Walch ist mir hier der gröste Mann bey dem ich
viel viel
lerne, der liebenswürdigste Menschenfreund voll Bonhomie
mit ewigem Sonnenschein im Herzen, unaussprechlich thätig, heiter wo
seine Bemerkungen haben durchdringenden Scharfsinn.
Nun die Abschrifft.
Tausendmal dank ich Dir für Deinen Brief mein allerbester alter Freund! oder
will
Dir vielmehr danken, wie neu geschenket bistu meiner alten Liebe und da magst beßer ahnden was mein Dank sey als meine Feder Dirs sagt. – Meine Studien gehn hier beßer als je in Strasb. und ich finde hier mehr als ich vermuthete. Es sind Profeßoren hier die ich herzlich lieben muß auch find
ists außer ihnen der Kopf nicht allein der sich hier weyden kann.
Von altem schweige, liebstes großes Herz! um was ich Dich bitte ist Glauben an meine starke unvermögende Liebe. – Wenn ich weiter nicht gehen kann so komm ich doch nach Weimar sollt ich auch zu Fuß gehn und mit Brod und Waßer mich nähren. Ich muß Luthers Bruder predigen hören, und die Männer sehen die ich ehre und Dich umarmen zum lezten mal und dann will ich gern nach St. zurück an den Pflug. Lang kann ich ohn das zu W. nicht weilen. Soll ich Dir sagen daß ich den Pak von Pirk nicht bekommen konnte, ob ich gleich 4mal und immer zur Zeit wo man mich kommen ließ hingieng. Ich will aber nach St. schreiben daß Du sie bekommen sollst, nur sag mir: was eigentlich? Deine Briefe hab ich alle zu Hauß in einer meiner
Sécrétair
schränke gelegt und die Thüre davor versiegelt. Ich werd sie aber alle Dir schicken bald ich wieder heim komme. Das gräfliche Haus Stollberg unterhält hier eine Anzahl studierende mit freien Tisch, der Kg auch, könntest Du wohl durch Deine Vermittelung bey erstern oder etwa bey Hr Leibarzt Zimmermann mir zu einem Plaz verhelfen? ich würde dadurch in Stand gesezt meinen mir sehr nüzlichen Aufenthalt hier zu verlängern. Deinen Petrarch hab ich hier Du sollst mitbekommen, ich verbleibe ewig Dein treuer zärtlicher Röderer P. S. Kaufmann
ist alles Lobes werth und mein inniggeliebter! Willstu Maler Müllers Schattenriß, ich hab herrliche Tage bey Ihm zu Mannheim gehabt. O der Antiquiensaal!! Zu Frankfurt hab ich Frau Hofräthin Göthe gesehn. Wagner ist verheyrathet daselbst und Advocat,
von Schloßer sehr geliebt, war mit zu Emmendingen.