Basel d. 4ten Julius.
Ich kann nicht besser als von hier aus meine Entschuldigung machen, würdigster Freund! daß ich mich so spät von Ihrem unschätzbaren Manuskript trennen konnte, ich wuste es keinen bessern Händen anzuvertrauen, als denen Ihres Freundes Sarasin, aus einer Art von Dankbarkeit weil ich ihm Ihre Bekanntschaft schuldig bin. Er wird es wenn er sich von demselben Geist des Patriotismus der mich als einen Fremden daraus angesteckt hat (daß sobald ich in Ruhe bin, Tschudi mit seiner kronikalischen Umständlichkeit aus den Gesichtspunkten in die Sie einen stellen mein Spielzeug werden soll,) auf einer Cur die er trinkt ganz durchwärmt und gestärkt haben wird, Ihnen auch mit seinem Ihnen viel wichtigern Danke begleitet zusenden. Wenn ich nach Zürich komme, wär’ ich sehr begierig, etwas von der Fortsetzung, besonders von den Schweitzerkriegen gegen Burgund Mäyland u. in den neuern Zeiten von ihrem Verhalten bey den Kriegen Ludwigs des 14ten
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in Ihrer Manier zu lesen, die den historiographes des princes et des cours
Zerknirschungen machen sollte. Die einheimischen Kriege der Cantone werden Sie schwerlich einem Fremden weisen; obschon ich von einheimischen Gährungen in Republiken die schlimme Meynung nicht habe, womit die meisten Philosophen den Geist der Ruhe der das Bewußtseyn der Kräfte einschläfert empfehlen. Wenn sie nur zu ihrer Schlichtung keine fremden Mächte einmischen die die έιρηυοποιοĩ
so gerne machen, so empfindungsvoll für die ach! so traurigen, ach so wilden ungeregelten so ganz unmonarchischen Ausbrüche der „Anarchie“ ihrer Nachbarn sind; – so dünken mich Händel in Republiken und die darauf geschlossenen Verträge dem politischen Horizont so zuträglich als die Gewitter dem Physischen – doch ich bin noch nicht im Stande darüber eine befriedigende Meynung anzunehmen; bevor ich von einsichtsvolleren Republikanern darüber belehrt worden bin.3
Meine itzige Schweitzerreise geht (in Gesellschaft eines Sächsischen Freyherrn v. Hohenthal) über Neuburg u. Yverdon nach Lausanne und Genf, von da ins Walliserland und zu den Eisgebirgen – sollten Sie etwa eine Marschroute für uns haben (wir denken auch nach Graubündten und von da nach Zürich zurückzukommen) so würden Sie sie nur gütigst Herrn Pfenninger abzugeben belieben, der sie mir schon nach Lausanne zukommen lassen wird. Bern, das Entlibuch, die freyen Aemter, wollen wir auf unsre Rückreise von Zürich über Bern u. Basel verspahren. Mit den wärmsten Empfehlungen in Ihre Güte u. Freundsch beharre in und ausser der Schweitz dero
ergebenst
Lenz.